Berlin: BiNKA-Training (Bildung für Nachhaltigen Konsum durch Achtsamkeitstraining)

Trainings-/ Kurskonzept Achtsamkeit in der Pädagogik

Titel

BiNKA-Training (Bildung für Nachhaltigen Konsum durch Achtsamkeitstraining)

Autor/in oder Ansprechpartner/in

Tina Böhme: tina.boehme@tu-berlin.de
Jacomo Fritzsche: fritzsche@ifan-berlin.de

Zielgruppe/ Teilnehmer/innen

Schüler*innen (10. Klasse), Studierende und Arbeitnehmer*innen

Zeitrahmen/ Anzahl Stunden und Turnus

8 Wochen à 1,5h + 1 Tag der Achtsamkeit (4h)

Tägliche Praxis von 15 Minuten (Schüler*innen) bzw. 20 Minuten (Studierende und Arbeitnehmer*innen).

Institution

TU Berlin

Institut für Achtsamkeit und Nachhaltigkeit (IfAN)

Inhalte

Der BiNKA-Kurs ist vom Aufbau her stark an das MBSR-Format angelehnt und setzt sich aus MBSR- und BiNKA-spezifischen Elemente zusammen. Zu den BiNKA-spezifischen Elementen zählen insbesondere auch Elemente der «erweiterten Achtsamkeit», die die soziale bzw. ethische Dimension von Achtsamkeit einbeziehen, welche im Rahmen unseres Projektes von besonderer Relevanz ist. Zudem wurden Inhalte aus dem Bereich der Bildung für Nachhaltigen Konsum (BNK) stark modifiziert und in den Achtsamkeitskurs integriert.

Die erste Hälfte des Kurses beinhaltet vor allem MBSR-spezifische Elemente. Dazu gehören u.a. die Einführung in Body-Scan und Atembetrachtung, die Rosinen-Übung und inhaltlichen Themen wie «Was ist Achtsamkeit», «Hindernisse und Schwierigkeiten in der Meditation» und «Umgang mit Gefühlen». Erste BiNKA-spezifische Akzente werden hier durch eine Achtsamkeits-Übung im Supermarkt und eine Kontemplation zu Gleichmut und Verbundenheit gesetzt.

Die zweite Hälfte des Kurses ist stärker von BiNKA-spezifischen Elementen durchzogen. Zwei Sitzungen widmen sich der Erforschung von Bedürfnissen und Wünschen sowie dem Üben von Mitgefühl mit sich selbst und anderen. In Kontemplationen und Lehrgesprächen wird hier u.a. der Fokus auf das eigene mitfühlende und wohlwollende Handeln sich selbst und anderen gegenüber gelenkt. Drei weitere Sitzungen (u.a. der Tag der Achtsamkeit) widmen sich besonders dem Konsumverhalten im Kontext von Achtsamkeit und beinhalten z.B. Achtsamkeitsübungen beim Essen oder in Bezug auf unsere Kleidung und deren Herstellung. In diesem Block ist auch eine BNK-Übung angesiedelt, welche auf den Kontext eines Achtsamkeitskurses angepasst wurde («Interdependenz und die Weltreise einer Jeans»). Den Abschluss bildet die Session «Eine achtsame Welt – von innen nach außen», welche den Fokus explizit über den Tellerrand der eigenen Person hinaus auf das große Miteinander in der Welt lenkt und somit die globale Dimension von Achtsamkeit thematisiert.

Literatur

Dokumentation von Inhalten und Abläufen des BiNKA-Trainings unter http://achtsamkeit-und-konsum.de/publikationenpresse

Artikel zur Entwicklung des BiNKA-Trainings:

  • Stanszus, L., Fischer, D., Böhme, T., Frank, P., Fritzsche, J., Geiger, S.M., Harfensteller, J., Grossmann, P., Schrader, U. (2017). Education for Sustainable Consumption through Mindfulness Training: Development of a Consumption-Specific Intervention. Journal of Teacher Education for Sustainability. [DOI: 10.1515/jtes-2017-0001]

Links

http://achtsamkeit-und-konsum.de/
http://www.aloenk.tu-berlin.de/menue/forschung/binka/
http://ifan-berlin.de

Gelingensfaktoren

Für alle Zielgruppen beinhaltet der Kurs einen ausgewogenen Mix an Formaten. Dazu gehören formelle Meditationen im Sitzen, Stehen, Gehen und Liegen, Achtsamkeit in Bewegung, Kontemplationen und Lehrgespräche sowie Austausch- und Feedbackrunden in unterschiedlich großen Gruppenkonstellationen.

Für die Zielgruppe der Schüler*innen wurde das Erwachsenen-Curriculum angepasst. Der Schulkurs beinhaltet deutlich mehr achtsame Bewegungselemente zur Auflockerung (ca. 20 Min. in jeder Session), kürzere Sitzzeiten (10-15 Min. im Gegensatz zu 20-25 Min. bei den Erwachsenen) und Arbeitsblätter als Grundlage für die Diskussionen. Auch wurde ein Teil der Meditationen und Übungen sprachlich angepasst, z.B. durch sprachliche Bilder wie den «Staubsauger-Atem».
Die tägliche Praxis von 15 Min. wird im Projekt (und idealerweise darüber hinaus) in den Schulalltag integriert, sodass der Mehraufwand zu Hause möglichst gering gehalten werden kann.

Herausforderungen

Betrifft alle Zielgruppen:

Die Sitzungen sind mit 1,5h wesentlich kürzer als in Standard-MBSR-Kursen (bedingt durch die Praxispartner Schule und Unternehmen). Das heißt, die Praxis und Inhalte müssen zeitlich angepasst werden und es muss ein guter Mittelweg gefunden werden, inwiefern die Kursinhalte «in der Tiefe» oder «in der Breite» gekürzt werden. Der BiNKA-Kurs stellt vornehmlich einen Achtsamkeitskurs dar, in dem der Fokus zum großen Teil auf dem Lernen durch Erfahrung und weniger auf kognitiver Wissensvermittlung liegt. Dementsprechend stand außer Frage BNK-Übungen (Bildung für nachhaltigen Konsum) 1:1 in das Training zu integrieren. Um die konsumspezifische Ausrichtung noch weiter zu untermauern, bestand eine Herausforderung darin, BNK-Inhalte spezifisch zu modifizieren um sie dadurch in einen breitgefassten Achtsamkeitskontext zu implementieren (z.B. Interdependenz und die Weltreise einer Jeans).

Unternehmen:

Kursteilnehmende öffneten sich weniger, wenn sie mit ihnen bekannten Arbeitskolleg*innen im Kurs waren. Sensitive Informationen aus dem Kurs wurden vereinzelt nach außen und ins Unternehmen getragen trotz deutlichem Hinweis der Trainerin auf den geschützten Rahmen des Kurses.

Studierende:

Die Fehlzeiten waren im Vergleich zu regulären MBSR-Kursen deutlich höher. Grund war vermutlich der Umstand, dass das Training ohne Kursgebühr bzw. Pfandgebühr absolviert werden konnte, was die Verbindlichkeit offensichtlich beeinflusste.

Schüler*innen:

Nach der Erfahrung im Rahmen zweier Testkurse wurde beschlossen, das Training deutlich anzupassen (s.o.). Die Sprache, der Ablauf, die Didaktik und die Länge der Meditationen wurden teilweise der Altersgruppe in den Testkursen nicht gerecht. Dies zeigte sich zum Beispiel in erhöhter Unruhe bei zu langen Sitzzeiten, nervösem Kichern über längere Zeiten der Sitzungen und vermehrten Zwischengesprächen.

Stand: August 2018